Projekt „10 x 10 ins Museum geh'n!“

10 x 10 ins Museum geh´n! - Kurzer Bericht über ein KPZ-Projekt

September 2009 bis Juli 2010

von Astrid Seichter

 

Projektbeschreibung

1. Ausgewählte Klassen aus Förderschulen sollten die im Schuljahr 2009/10 die Möglichkeit haben, ausreichend viele KPZ - Veranstaltungen im Rahmen ihres Unterrichts zu nutzen. Als Richtgröße wurden 10 Veranstaltungen pro Klasse veranschlagt.

2. Jede Gruppe wird durchgehend jeweils von einer Museumspädagogin betreut, die alle Veranstaltungen übernimmt. Damit soll ein kontinuierliches, an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtetes Arbeiten gewährleistet werden.

3. Kosten für Eintritte und museumspädagogische Betreuung werden von einem Sponsor übernommen.

4. Auswertungsgespräche begleiten das Projekt.

 

Ziel

Die Veranstaltungsreihen beabsichtigen eine nachhaltige kulturpädagogische Förderung durch Impulsveranstaltungen und nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des außerschulischen Lernorts Museum.

Nachhaltige kulturelle Bildung ist gerade für Kinder aus sozial benachteiligten, bildungsfernen Schichten von großer Bedeutung. Sie unterstützt die Kinder in ihrer individuellen Entwicklung und wirkt sozialer Ausgrenzung entgegen. Museen als Orte der Bildung und Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe bieten besonders vielfältige Möglichkeiten, eigenständiges Lernen zu fördern, kreative Fähigkeiten zu entwickeln und den kulturellen Horizont zu erweitern.

Kinder in Förderschulen stammen zu einem Großteil aus sozial benachteiligten Familien und sind mit Entwicklungs- und/oder Lernhemmnissen belastet.

 

Teilnehmende

123 Kinder aus 10 Klassen aus sechs Förderschulen aus Nürnberg und Fürth

insgesamt 12 Lehrerinnen, mehrere pädagogische Hilfskräfte zur Begleitung der Gruppen, sechs Museumspädagoginnen, die Evangelische Hochschule Nürnberg zur Unterstützung der Evaluation, eine Projektleiterin

Die Partnerschulen liegen zum Teil in innerstädtischen sozial schwierigen Stadtteilen

Die betreffenden Förderschulklassen haben einen hohen Anteil von Schülern/Schülerinnen mit Migrationshintergrund.

 

Auswertung

Zur Auswertung basierend auf Evaluationsbögen der Zwischenauswertung und den protokollierten Interviews mit den Lehrerinnen und den Museumspädagoginnen.

  • Sicherheit und Selbstbewusstsein

Die Klassen haben 10 mal innerhalb des Schuljahres das sichere Gebäude Schule verlassen. Die Lehrerinnen haben deutlich gemerkt, wie sich die Kinder zunehmend kompetenter in der Stadt Nürnberg orientiert haben. Gleich zu Beginn des Projektes stellten einige Lehrerinnen fest, dass ihre Schülerinnen und Schüler, obwohl sie überwiegend aus der Südstadt kommen, die Sebalder Altstadt nicht bekannt war. Der schöne Ausspruch: „Ich wusste gar nicht, dass Nürnberg so schön ist!“, sagt hier alles aus.

  • Museum als bekannter Ort

Die Klassen konnten Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Museen herstellen, unabhängig von den ausgestellten Objekten erkannten sie die Museumsregeln und den Gedanken des Weitergebens von Informationen. Dabei entwickelten die Klassen unabhängig voneinander einen eigenen Qualitätsstandard.

  • Sprachliche Leistung

Förderschüler haben oft einen Förderbedarf im Bereich der Sprache. Fast alle Schülerinnen und Schüler konnten die zum Teil doch schwierigen Namen der Museen auswendig. Auch der allgemeine Wortschatz wurde erweitert. Märchen wurden jetzt besser verstanden, da durch den Museumsbesuch Begriff, Märchen und Gegenstände (der große goldverzierte Spiegel) zusammen eine Einheit bildeten.

  • Kulturelle Verbindung

Das Wissen um Könige, Kaiserinnen und Prinzen stellt kaum jemand in Fragen, aber für etliche Kinder waren diese Begriffe nicht kulturell verankert und Märchen können so kaum verstanden werden. Nach den entsprechenden Lektionen im GNM berichteten die Lehrerinnen, dass die Kinder die Märchen intensiv weiterspielten.

  • Rückfluss in die Gesellschaft

Die Kinder haben zu Hause von den Museumsbesuchen erzählt, denn es sind immer wieder Informationen von den Kindern mitgebracht worden. Es wurden Verknüpfungen zu Museen in Urlaubsorten hergestellt. Viele Kinder berichteten auch, dass sie am Mittwochabend im GNM  (kostenfreier Eintritt) waren oder das Eisenbahnmuseum mit den Eltern aufgesucht hatten.

  • Wertschätzung alter Dinge

Die Kinder entwickelten ein Wertebewusstsein zu alten Dingen. Da diese nicht ersetzbar ist muss darauf aufgepasst werden. Diese Gespräche waren nicht von den Lehrerinnen angeleitet worden, sondern die Kinder haben sie als eigenständigen Transfer geführt.

  • Erlernen von Konventionen

Es gibt klare Regeln im Museum. Alle Klassen konnten die Regeln benennen und begründen. Sollten die Schülerinnen und Schüler in andere Museen gehen, wissen Sie wie man sich hier zu verhalten hat, dieses Wissen gibt Sicherheit, und damit ist die erste Hemmschwelle, die einen Museumsbesuch verhindert, schon abgebaut. Das Museum wird immer noch als elitärer Ort gesehen, die Kinder haben bewusst damit angegeben, aber er ist vertraut. Dabei wurden die Regeln gut angenommen. Die Lehrerinnen, die im Unterricht oft mit Regelbrüchen zu tun haben, erzählten begeistert von der Bereitwilligkeit die Museumsregeln zu beachten.

  • Fähigkeit Erlerntes zu übertragen

Viel Wissen wurde vom Lernort Museum in die Klassenzimmer mitgenommen. Es floss in die Unterrichtsgespräche mit ein. Auch die kleinen Begebenheiten, wie die neuen Wörter sind in den Schulalltag übertragen worden.

  • Kompetenz sich in fremden Räumen zu orientieren

Das GNM hat einen Orientierungsplan für die Museumsbesucher, die Kinder haben nach dem Jahr ihr Museum im Kopf. Zielsicher gehen sie Wege und wissen, wo sie abbiegen müssen um zum „Ritter Rost“ zu kommen.

  • genaues konzentriertes Sehen

Die Schülerinnen und Schüler wurden angeleitet genau zu schauen. Das Betrachten von Bildern und Gegenständen aller Art gehörte zu jeder der 10 x 10 Veranstaltungen dazu. Alle Lehrerinnen berichteten von einem wesentlich genaueren Hinsehen, auch bei Spaziergängen in der Natur oder dem Betrachten von Bildern in Schul- oder Märchenbüchern.

  • Museum als Ort, der begeistert

Eine der Lehrerinnen empfand den Gedanken 10 mal ins Museum zu gehen am Anfang des Schuljahres auch eher anstrengend, ebenso wie ihre Schülerinnen und Schüler. Am Ende des Jahres war sie, wie die Klasse zu Fans umgewandelt. Museum, das macht Spaß, oder wie ein Schüler einer anderen Klasse sagte:“Wenn es mir mal langweilig ist, dann gehe ich ins Museum“. Die Museen in Nürnberg wurden zu Orten, an denn man sich Wissen spielerisch aneignen konnte.

  • nicht alles abfragbar

Es wurde von den Lehrerinnen angemerkt, dass nicht alles abfragbar sei, was die Kinder mitnehmen, denn sie haben erlebt, dass sie im Museum willkommen waren, dass alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Museum freundlich auf sie reagiert haben. Diese Wertschätzung werden Sie mitnehmen als ein Gefühl des Angenommen-werdens – nicht nur im Museum. Hier ist für viele Kinder ein Anker für die kulturelle Welt gesetzt worden.

 

Rückmeldung zu den Museumspädagoginnen und dem KPZ

Gelobt wurde von allen Seiten das gut angepasste Sprachniveau der Museumspädagoginnen. Besonders hervorgehoben wurde, dass die Museumspädagoginnen trotz vieler Nachfragen und Zwischenfragen den roten Faden der Veranstaltung nicht aus den Augen verloren haben. Die Museumspädagoginnen haben zum großen Teil das Projekt auch als eine persönliche Herausforderung gesehen. Der Blick auf die Kinder hat sich geändert, das Wissen um die Hintergründe der Kinder hat den geduldigeren und offeneren Zugang zu den Kindern ermöglicht, auch eine neue Gesprächsbereitschaft , die von den Kindern auch mit größerer Gesprächsbeteiligung honoriert wurde.

Sicherlich sind die Lehrerinnen pädagogische Fachkräfte, durch die Situation an den Schulen besteht jedoch selten die Möglichkeit der gegenseitigen Hospitation und Reflexion. Das Projekt hat den Lehrerinnen genau diese Möglichkeit gegeben. Sie konnten Einblick  in ein anderes pädagogische Arbeiten gewinnen und die Schülerinnen beobachten, ohne in der aktiven Rolle der Unterrichtenden zu sein.

Die Organisation des Projekts wurde durchwegs gelobt. Das KPZ als kompetenter Partner in Museen, auch für Förderschülerinnen und Förderschüler erkannt und geschätzt.

 


Kurze Statistik

93 Veranstaltungen von 100 möglichen Veranstaltungen wurden gebucht.

Es wurden Veranstaltungen aus 14 verschiedenen Bereichen des KPZ-Angebots gebucht.

Insgesamt wurden 45 verschiedene Lektionen von den Lehrerinnen gewählt.

10 verschiedene Museen wurden insgesamt von den Klassen aufgesucht.

Eine Gruppe lernte 7 verschiedene Museen kennen.

 

Fazit

Die Ergebnisse der Gespräche und der Evaluationsbögen der Zwischenauswertung geben einen Einblick, wie sich die intensiven Begegnungen mit Museen nachhaltig auswirken können. Die 123 Kinder haben dieses Schuljahr, in der Vielzahl der Schuljahre, sicherlich besonders in Erinnerung als das Schuljahr, in dem wir in den Museen waren.

Der am Anfang des Projekts formulierte Satz “Die Kinder sollen in den Museen heimisch werden“, ist für die Kinder  Realität geworden. Ein Kind formulierte seinen Wunsch an das Projekt: „Jetzt möchte ich auch mal eine Nacht im Museum schlafen.“ Hier soll die Freundschaft mit dem Museum, wie mit der Freundin, dem Freund intensiviert werden.

Wenn möglich, werden die Kinder noch mal in einem  oder zwei Jahren befragt, um so zu überprüfen, welche mittelfristigen Wirkungen zu erkennen sind.

 

 

Zum Seitenanfang Seite weiterempfehlen Stand: 13.03.2011, 19:21 Uhr

 

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Das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) ist eine gemeinsame Einrichtung der Stadt Nürnberg und der Stiftung Germanisches Nationalmuseum.